Ein Kapitel endet – die Geschichte bleibt

„Bildung ist Beziehungsarbeit“: Hauptschule Wolbeck verabschiedet Schulleiter Peter Wasshausen

Nach zweieinhalb Jahren an der Hauptschule Wolbeck ist Schulleiter Peter Wasshausen in den Ruhestand verabschiedet worden. In einer persönlich geprägten Feier würdigten Schulaufsicht, Stadt, Kollegium und Schülerinnen und Schüler seinen Einsatz, seine klare Führung und seinen besonderen Blick auf junge Menschen.

Es war eine Abschiedsstunde, die ganz bewusst mehr sein sollte als eine gewöhnliche Feierstunde. Mit Musik, persönlichen Worten, humorvollen Rückblicken und manch liebevoller Anspielung verabschiedete die Hauptschule Wolbeck ihren Schulleiter Peter Wasshausen in den Ruhestand.

Moderator Sebastian Reimann begrüßte Kollegium, Schülerinnen und Schüler sowie zahlreiche Gäste und machte gleich zu Beginn deutlich, dass Wasshausen offiziellen Lobeshymnen eher zurückhaltend gegenübersteht. Darauf verzichten wollte die Schulgemeinschaft an diesem Tag allerdings nicht. Die Lehrerband eröffnete die Feier musikalisch – passend zum Ruhrgebiets-Hintergrund des scheidenden Schulleiters mit einem rockigen Beitrag.

Vom Bergbau in die Schule

Die Schulamtsdirektorin Andrea Kramer nahm die Gäste anschließend mit auf eine Reise durch Wasshausens beruflichen Lebensweg. Dabei wurde deutlich, wie ungewöhnlich seine Laufbahn war.

1957 geboren, absolvierte Wasshausen zunächst eine Ausbildung zum Elektroanlageninstallateur und arbeitete im Bergbau. Über die Fachoberschule für Technik in Recklinghausen und die Fachhochschule Bergbau in Bochum führte sein Weg zum Diplomingenieur und schließlich in verschiedene verantwortungsvolle Funktionen im Ruhrbergbau.

1992 wurde er zum Obersteiger befördert – eine Tätigkeit, die unter anderem Verantwortung für Produktion, Sicherheit und Mitarbeiterführung bedeutete.

Kramer stellte augenzwinkernd die Verbindung zwischen dem Bergbau und Wasshausens späterer Tätigkeit als Schulleiter her. Verantwortung zu übernehmen, Menschen zu führen und dafür zu sorgen, dass alle ihren Beitrag zum gemeinsamen Erfolg leisten: Diese Eigenschaften hätten Wasshausen auch in seinem späteren Berufsleben geprägt.

2005 begann er seinen Vorbereitungsdienst für das Lehramt mit den Fächern Technik, Physik und Mathematik. Über Stationen in Düsseldorf und Dorsten wurde er 2015 Schulleiter. 2017 übernahm er die Leitung der Hauptschule Erich-Fried in Gladbeck. Dort wurde seine Arbeit ebenfalls hoch geschätzt.

2019 wurde ihm als Vertreter der Schule im Bundeskanzleramt der Bundesumweltpreis überreicht.

Eigentlich wollte Wasshausen bereits 2023 in den Ruhestand gehen. Doch Schulamtsdirektorin Kramer überzeugte ihn davon, seine Erfahrung noch einmal einzubringen – an der Hauptschule Wolbeck.

„Eine Übergangslösung, die Maßstäbe gesetzt hat“

Im August 2023 trat Wasshausen seine neue Aufgabe in Wolbeck an. Zweieinhalb Jahre später fällt die Bilanz ausgesprochen positiv aus.

Kramer erinnerte daran, dass Wasshausen die Schule in einer schwierigen Phase übernommen habe. Veränderungen, offene Fragen und Unsicherheiten hätten für ein Kollegium gesorgt, das vor allem Orientierung, Verlässlichkeit und Vertrauen gesucht habe.

Wasshausen habe darauf nicht mit großen Versprechungen reagiert, sondern mit Ruhe, Offenheit und echtem Interesse an den Menschen. Schritt für Schritt habe er Vertrauen in die Schulleitung geschaffen und eine Führungskultur geprägt, die von Respekt, Verlässlichkeit und einem klaren Wertekompass bestimmt gewesen sei.

Besonders hob Kramer dabei das gesamte Kollegium hervor. Gute Schulleitung könne nur gemeinsam mit einem engagierten Team wirken. Die Hauptschule Wolbeck leiste hervorragende pädagogische Arbeit und habe sich mit ihrem Profil auch über die Grenzen Münsters hinaus einen Namen gemacht.

„Du verlässt die Schule zu einem Zeitpunkt, an dem sie wieder gut aufgestellt ist“, fasste Kramer zusammen.

Anschließend überreichte sie Wasshausen die Urkunde und den Dank der Bezirksregierung Münster sowie des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Viel Humor und ein besonderer Blick auf den Ruhestand

Auch Bezirksbürgermeister Peter Benzmann würdigte den scheidenden Schulleiter. Er selbst kenne Wasshausen zwar erst seit dessen zweieinhalb Jahren in Wolbeck, doch diese Zeit habe gereicht, um einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

Ursprünglich habe Wasshausens Einsatz in Wolbeck wie eine Übergangslösung gewirkt. Doch aus dieser Übergangslösung sei eine prägende Zeit geworden. Wasshausen habe die Schule nicht lediglich verwaltet, sondern gestaltet, strukturiert und stabilisiert.

Als besondere Eigenschaften nannte Benzmann Klarheit, Gelassenheit und einen trockenen Humor, der auch in schwierigen Situationen für Entspannung gesorgt habe.

Seine guten Wünsche für den Ruhestand verband der Bezirksbürgermeister mit einem Zitat von Mark Twain: Ruhestand sei wunderbar – man habe den ganzen Tag nichts zu tun und komme trotzdem nicht dazu.

Musik als roter Faden

Die Feier war immer wieder von musikalischen Beiträgen begleitet. Die Lehrerband nahm unter anderem einen Song im Stil von Udo Lindenberg auf und versah ihn mit eigens auf Wasshausen zugeschnittenen Zeilen. Dabei wurden seine Geradlinigkeit, sein eigener Kopf und sein trockener Humor auf die Schippe genommen.

Auch das Kollegium beteiligte sich musikalisch. Ein umgedichtetes Abschiedslied auf einer bekannten Melodie verband Schulthemen mit Anspielungen auf Wasshausens Bergbauvergangenheit – vom Autobahnweg nach Wolbeck bis zum obligatorischen Eierlikör.

Der Humor war dabei stets von großer persönlicher Wertschätzung begleitet.

Eine Kollegin brachte es in ihrer Abschiedsrede auf den Punkt: Wasshausen sei ein Schulleiter gewesen, der Entscheidungen getroffen habe, auch wenn diese nicht immer beliebt gewesen seien. Gleichzeitig habe er das Kollegium angehört, Zusammenarbeit gesucht und immer wieder gezeigt, dass hinter der Funktion vor allem ein Mensch stehe.

„Schule sind Menschen“

Den emotionalsten Moment der Feier bildete schließlich die Abschiedsrede des scheidenden Schulleiters selbst.

44 Jahre Arbeitsleben lagen hinter ihm, davon 20 Jahre im Bergbau und 21 Jahre an Hauptschulen. Aus seiner Zeit unter Tage habe er eine Erkenntnis mitgenommen, die ihn bis heute begleite: Jeder Mensch müsse seinen Beitrag leisten, und kein Mitarbeiter sei unwichtig.

Diese Erfahrung habe sich für ihn auch auf die Schule übertragen.

„Es gibt keine unwichtigen oder minderwertigen Menschen“, betonte Wasshausen. Jedes Kind habe das Recht darauf, dass man sich um es kümmere und an seine Entwicklung glaube.

Nach zweieinhalb Jahren an der Hauptschule Wolbeck verabschiedete sich Wasshausen sichtbar bewegt von seiner Schulgemeinschaft. Schule, sagte er, sei kein Gebäude. Schule seien Menschen.

Er erinnerte an Gespräche im Lehrerzimmer, Diskussionen, Konferenzen, Konflikte, gemeinsames Lachen und die Lösungen, die man zusammen gefunden habe. Gerade an der Hauptschule gehe es darum, jungen Menschen Chancen zu geben – auch dann, wenn ihr bisheriger Weg nicht geradlinig verlaufen sei.

„Wir haben gefordert, gefördert, manchmal gestritten, oft ermutigt, aber nie aufgegeben“, sagte Wasshausen.

Dank an die gesamte Schulgemeinschaft

Besonders ausführlich dankte Wasshausen seinem Kollegium. Die Zusammenarbeit sei von Beginn an von Empathie und gegenseitigem Vertrauen geprägt gewesen. Auch schwierige Diskussionen hätten letztlich zu einem guten Miteinander geführt.

Seinen Dank richtete er darüber hinaus an die Reinigungskräfte, den Hausmeister und das Facility Management, das Sekretariat sowie die Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter. Ihre Arbeit geschehe häufig im Hintergrund, sei für den Schulalltag aber unverzichtbar.

Auch die Schülerinnen und Schüler standen für Wasshausen im Mittelpunkt seiner Abschiedsworte. Sie hätten ihn überrascht, herausgefordert und manchmal an seine Grenzen gebracht – ihm aber gleichzeitig immer wieder gezeigt, warum seine Arbeit sinnvoll sei.

Seine zentrale Botschaft fasste er in einem Satz zusammen:

„Bildung ist Beziehungsarbeit!“

Darin liege gerade die Stärke der Schulform Hauptschule.

Ein lachendes und ein weinendes Auge

Am Ende seiner Rede blickte Wasshausen mit großer Dankbarkeit auf seine Zeit in Wolbeck zurück. Er habe keinen Moment bereut, seinen Ruhestand noch einmal aufgeschoben zu haben.

Er gehe mit vielen Erinnerungen und mit dem Vertrauen, dass die Hauptschule Wolbeck ihren Weg weitergehen werde. Seinem Nachfolger Sebastian Reimann wünschte er ein glückliches Händchen und die notwendige Weitsicht für die kommenden Veränderungen und Herausforderungen.

Besonders persönlich wurde es beim Dank an seine Frau Dagmar. Sie habe ihn in die Schule gebracht und ihn auf seinem Weg stets unterstützt.

So endete eine Verabschiedung, die den Menschen Peter Wasshausen ebenso in den Mittelpunkt stellte wie den Schulleiter. Nach mehr als vier Jahrzehnten Berufsleben beginnt für ihn nun ein neuer Abschnitt – ohne Stundenplan, Konferenzen und Vertretungspläne, dafür mit Zeit für das, was bislang warten musste.

Der letzte Wunsch der Feier war zugleich ein passender Gruß an den ehemaligen Bergmann und Schulleiter:

Glück auf, Peter Wasshausen!

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